Der Schweizer Privatbankensektor steht unter Druck, doch der Druck wird oft an der falschen Stelle beschrieben. Fast niemand beschreibt es als Problem der Transaktionsbank selbst.
Ein Private Banker sagte mir kürzlich: «Wir stehen von beiden Seiten unter Druck. Von unten durch die Neobanken. Von oben durch euch unabhängige Vermögensverwalter.»
Er hat recht, dass etwas drückt. Ich sehe die Richtung aber anders. Der Druck kommt weder von oben noch von unten – er sitzt in der Mitte, bei der Transaktionsbank.
Warum der Druck von unten weiterhin wirkt
Die Anbieter von unten müssen nicht exzellent sein. Tatsächlich bieten Neobanken nur eingeschränkten Service, keine lokale Tiefe und keine persönliche Beziehung – und verändern dennoch, was Kunden als normal empfinden. Diese Verschiebung endet zudem nicht bei einer bestimmten Vermögenshöhe, weshalb der Rückzug ins gehobene Segment kein echtes Entkommen bietet.
Unabhängige Vermögensverwalter sind ein Spiegel, keine Bedrohung
Der Druck «von oben» sind eigentlich auch nicht wir. Wir haben keine Bilanz und betreiben keine Zahlungsinfrastruktur. Wir sind eher ein Spiegel: Sobald ein Kunde vergleichen kann, merkt er, wo das Erlebnis aus einer anderen Zeit stammt.
Vertrauen, Diskretion und Beratung zählen im gehobenen Segment nach wie vor. Was sich geändert hat, ist einfacher – Kunden akzeptieren nicht mehr digitale Reibung als Preis für eine persönliche Beziehung. Zum Beispiel: Onboarding , das Wochen dauert, Reporting , das als PDF ankommt, Daten, die von Hand zwischen Systemen übertragen werden. So kommt es beim Kunden an – wie stark die Beratung drumherum auch sein mag.
Das schwerste Projekt der Branche
Das ist keine Frage des Wollens. In vielen Banken arbeiten Menschen seit Jahren an diesen Themen – gegen alte Systeme und knappe Budgets. Eine Transaktionsbank neu aufzubauen, bleibt zudem eines der schwierigsten Projekte der Branche.
Diese Aufgabe tragen wir nicht, weil uns diese Ebene nicht gehört. Stattdessen wählen wir Partner für Verwahrung, Reporting und Technologie aus und wechseln sie, wenn es bessere gibt. Das ist kein Verdienst, sondern folgt einfach aus unserer Grösse. Und Unabhängigkeit hat ihren eigenen Preis: keine Bilanz, keine Kredite, weniger Skaleneffekte. Das gehört in jeden ehrlichen Vergleich.
Beratung oder Infrastruktur?
Das wirft auf beiden Seiten eine Frage auf: Wie viel von dem, was Kunden heute erleben, ist Beratung, und wie viel davon ist Infrastruktur?