Im heutigen Compliance-Umfeld ist ein überzeugender KYC-Bericht (Know Your Customer) für jeden Kundenberater unerlässlich. KYC bildet das Herzstück der AML-Compliance, der Sorgfaltsprüfung und des Onboarding-Prozesses. Dieser Leitfaden erläutert die wichtigsten KYC-Anforderungen – von der Source of Wealth (SoW) bis zur Source of Funds (SoF) – und verweist auf eine KYC-Mustervorlage, die Sie verwenden können.
Warum KYC-Berichte wichtig sind
- Rechtliche und regulatorische Konformität: Eine klare Dokumentation unterstützt die Erfüllung der AML-Pflichten und der internen VSB/GwG-Standards.
- Transparenz: Die Compliance muss verstehen, woher die Mittel stammen und wem sie letztlich gehören.
- Risikokontrolle: Ein prägnanter, konsistenter KYC-Text beschleunigt die Prüfung und verringert Verzögerungen beim Onboarding.
Kernelemente eines überzeugenden KYC-Berichts
1) Persönliche Angaben
- Vollständiger Name, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit und steuerlicher Wohnsitz.
- Familiensituation (falls relevant), Wohnadresse und Wohnverhältnisse (Eigentum/Miete, Hypothek).
- Identifikation: Passkopie und Adressnachweis liegen vor.
2) Beruflicher Hintergrund
- Kurzer, chronologischer beruflicher Werdegang vor dem Vermögensaufbau.
- Frühe Ersparnisse oder Familienbürgschaften nur aufführen, wenn belegt.
- Vermeiden Sie Lücken; erklären Sie Übergänge klar.
3) Source of Wealth (SoW)
Erklären Sie, wie der Kunde sein Vermögen über die Zeit aufgebaut hat. Typische Bestandteile:
- Erwerbseinkommen und Ersparnisse (z. B. Lohnausweise).
- Unternehmensgewinne und einbehaltene Gewinne (z. B. geprüfte Jahresrechnungen).
- Erlöse aus einem Firmenverkauf (z. B. Kaufvertrag (SPA) und Closing-Abrechnung).
- Eigentumsnachweis (z. B. Aktienbuch/Aktionärsliste).
Best Practice: Belegen Sie jede wesentliche Aussage mit einem Anhang, damit die Erfüllung der KYC-Anforderungen prüfbar bleibt.
4) Source of Funds (SoF)
Beschreiben Sie den konkreten Zufluss auf das Konto bei Ihrer Bank:
- Wer überweist das Geld, von welchem Konto, an welchem Datum?
- Verknüpfen Sie die SoF direkt mit der SoW (z. B. Teilüberweisung des Verkaufserlöses).
- Nachweis: Kontoauszug oder Überweisungsbestätigung.
5) Erwartete Kontoaktivität
- Wie viel wird angelegt (z. B. Vermögensverwaltungsmandat mit Fokus auf Kapitalerhalt)?
- Wie viel bleibt für private Ausgaben, und wo?
- Halten Sie fest, ob keine Bargeldtransaktionen erwartet werden.
6) Compliance-Prüfungen und wirtschaftliche Berechtigung
- Dokumentieren Sie die Ergebnisse des PEP-, Sanktions- und Negativpresse-Screenings.
- Nennen Sie gegebenenfalls Gegenparteien (Käufer, Kreditgeber) und deren jeweilige Prüfprozesse.
- Nennen Sie klar den wirtschaftlich Berechtigten (UBO).
- Verweisen Sie auf Steuererklärungen als Nachweis der steuerlichen Compliance.
7) Fazit
Schliessen Sie mit ein bis zwei neutralen Sätzen, die bestätigen, dass die Dokumentation vollständig ist, SoW und SoF übereinstimmen und das Profil transparent ist. Nehmen Sie im Bericht des Kundenberaters nicht selbst eine Risikoeinstufung vor; das ist Aufgabe der Compliance und nicht Ihre.
Best Practices für Kundenberater
- Schreiben Sie kurze, sachliche Sätze; vermeiden Sie Marketingsprache.
- Führen Sie SoW und SoF in getrennten Abschnitten.
- Belegen Sie alle wichtigen Aussagen mit Anhängen.
- Legen Sie das Aktienbuch bei, wenn die Eigentumsverhältnisse relevant sind, und die Steuererklärung, falls vorhanden.
- Denken Sie wie die Compliance: Fragen antizipieren, Unklarheiten vermeiden.
KYC-Muster (Referenz)
Das vollständige Beispiel finden Sie hier: Muster-KYC-Bericht – Herr Joe Doe. Er zeigt einen umfassenden KYC-Bericht – von Ersparnissen aus Erwerbstätigkeit über die Firmengründung bis zum dokumentierten Firmenverkauf –, mit Schritt für Schritt referenzierten Anhängen.
FAQ: KYC, AML und Onboarding
Was ist der Unterschied zwischen SoW und SoF?
Source of Wealth (SoW) erklärt, wie das Vermögen über die Zeit aufgebaut wurde (z. B. Erwerbstätigkeit, Unternehmensgewinne, Verkaufserlöse). Source of Funds (SoF) beschreibt den konkreten Zufluss, der für diese Geschäftsbeziehung bei der Bank eingeht (z. B. eine Überweisung von CHF 20 Mio. von einem Privatkonto, das aus einem Verkauf über CHF 25 Mio. gespeist wurde).
Sollte ich frühe Ersparnisse aufführen?
Ja, wenn sie belegt und für die Vermögensgeschichte des Kunden relevant sind. Ist der Betrag gering und nicht belegt, lassen Sie ihn weg, um unnötige Dokumentenanfragen zu vermeiden.
Darf der Kundenberater die Risikoeinstufung vornehmen?
Nein. Der Kundenberater erstellt den Bericht; die Compliance legt die formelle Risikoklasse und die Annehmbarkeit fest.
Fazit
Bei einem überzeugenden KYC-Bericht geht es nicht um Länge, sondern um Klarheit, Vollständigkeit und Dokumentation. Mit klarer Struktur, passenden Anhängen und konsistenter SoW/SoF verlaufen selbst strenge Compliance-Prüfungen reibungslos.
Lesen Sie auch: Wie der KYC-Prozess bei einer Schweizer Privatbank wirklich aussieht


