Zwischen einer Geschäftsreise und einer Podiumsdiskussion auf dem Wealth Management Summit 2026 blieb wenig Raum für echte Reflexion. Jetzt, mit etwas Abstand, sticht ein Gedanke zur Nachfolgeplanung klar hervor.
Die grösste Herausforderung bei Vermögensverwaltung ist weder die Technologie noch die Regulierung oder der Wettbewerb.
Wir sind es.
Die Branche ist älter geworden
Wir sind als Branche älter geworden. Seit Jahren helfen wir Kunden bei der Nachfolgeplanung, strukturieren Vermögensübertragungen zwischen Generationen und entwickeln langfristige Strategien. Wir haben mit Klarheit und Überzeugung beraten. Doch dabei haben viele von uns eine unangenehme Frage still aufgeschoben: unsere eigene Nachfolge.
Wer übernimmt eigentlich?
Warum Kontinuität zu einem strukturellen Risiko wird
Das wird zu einem strukturellen Risiko. Unabhängige Vermögensverwalter bauen auf Vertrauen, Beständigkeit und sehr persönlichen Beziehungen. Das ist unsere grösste Stärke – aber auch unsere grösste Verwundbarkeit. Wenn die Führungskontinuität unklar ist, wird diese Verwundbarkeit zum Geschäftsrisiko.
Gleichzeitig sprechen wir ausführlich über Digitalisierung, Datenschnittstellen und operative Effizienz. Natürlich ist das alles wichtig. Aber nichts davon löst das Kernproblem , wenn die Führungsnachfolge ungeklärt bleibt.
Wachstum allein löst das Problem nicht
Viele Unternehmen präsentieren Wachstum durch Übernahmen oder Partnerschaften als die Lösung. In Wirklichkeit bedeutet dies oft ähnliche Profile, Altersgruppen und Denkweisen. Mit anderen Worten: Das löst die Nachfolgeplanung nicht, es zögert sie nur hinaus.
Die Gründergeneration der Jahre 2000 bis 2004
Zwischen 2000 und 2004 verliessen Hunderte Schweizer Banker grosse Institute, um eigene Firmen zu gründen, die meisten Mitte bis Ende vierzig. Viele dieser Firmen werden bis heute von den Gründern geführt, die sich nun dem 70. Lebensjahr nähern. Früher gegründete Firmen standen bereits an diesem Punkt; viele wurden verkauft, einige verschwanden. Für diese Generation ist das Zeitfenster jetzt offen – Käufer sind wählerisch, Kunden vorsichtig, und jüngere Partner schauen genau hin.
Ein Nachfolgeteam aufbauen
Niemand ersetzt den Unternehmer, aber eine Firma kann sich darauf vorbereiten, ohne ihn weiterzumachen: jüngere Kundenberater für die nächste Kundengeneration, Kader, die die Werte der Firma tragen, und eine Struktur, die bereit ist zu übernehmen. Nachfolge beginnt nicht mit 65.
Die Nachfolgeplanung ist eine strategische Priorität
Die Nachfolgeplanung ist keine operative Aufgabe. Vielmehr handelt es sich dabei um eine strategische Priorität und eine Frage der Verantwortung – gegenüber Kunden, Mitarbeitern und Partnern, die auf Kontinuität und Vertrauen angewiesen sind.
Vielleicht ist der Moment gekommen, die Perspektive zu wechseln. Weniger Kunden bei der Nachfolge beraten. Mehr im eigenen Unternehmen handeln.
Letztlich wird die Zukunft der unabhängigen Vermögensverwaltung nicht allein durch die Märkte entschieden. Sie hängt davon ab, ob wir bereit sind, das anzugehen, was wir bereits wissen.
Quelle: https://vapa.ch/de/nachfolgeregelung-und-vermogensverwaltung/ · vapa.ch


