Vor etwas mehr als zehn Jahren besuchten uns zwei aufstrebende unabhängige Vermögensverwalter aus Hongkong in Schweiz um zu lernen, wie Vermögensverwaltung in der Schweiz wirklich funktionierte.
Sie wollten eine, wie sie es nannten, “Hund-und-Pony-Show”. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich immer gerne Erfahrungen, Ideen und ein paar ehrliche Meinungen teile.
Was mich heute überrascht, ist, dass beide Vermögensverwalter größer geworden sind als die größten unabhängigen Vermögensverwaltungsfirmen in der Schweiz.
Das sollte uns unbehaglich machen.
Wo das Erbe von Swiss Wealth Management im Weg steht
Das Schweizer Vermögensmanagement hat die Geschichte, den Ruf, das Fachwissen und das Kundenvertrauen. Doch andere haben aufgebaut größere unabhängige Plattformen in kürzerer Zeit. Was ist also schiefgelaufen?
Meiner Ansicht nach steht unser Erbe im Weg.
Und mit Vermächtnis meine ich nicht nur alte Technologie. Ich meine alte Annahmen, alte Strukturen und alte Definitionen davon, wie ein unabhängiger Vermögensverwalter aussehen sollte.
Viele Schweizer Firmen verließen die Banken, dachten aber weiterhin wie Banken. Sie kopierten die gleichen Prozesse, die gleiche Produktlogik und oft die gleiche fragmentierte Technologielandschaft. Sie wurden jedoch unabhängig im Eigentum, aber nicht immer im Denken.
Unser Ökosystem macht es auch nicht einfacher. Verwahrbanken, Compliance-Anbieter, Portfoliomanagementsysteme, CRM-Plattformen und regulatorische Anforderungen alle spielen ihre Rolle, aber das Ergebnis ist oft eine Sammlung starker Einzelkomponenten, die nicht gut zusammenpassen.
Plattformen bauen, nicht persönliche Franchises
Viele Unternehmen sind auch als exzellente aufgestellt Boutiquen statt skalierbarer Institutionen. Dieses Modell kann profitabel und hoch angesehen sein, aber es ist selten wächst zur Größe einer kleineren Privatbank heran.
Um dieses Niveau zu erreichen, müssen wir von Anfang an anders denken. Konkret benötigen wir stärkere Datengrundlagen, standardisiertere Prozesse, eine bessere Technologieintegration, professionelle Governance und eine klarere Bereitschaft, Plattformen statt persönlicher Franchises aufzubauen.
Am wichtigsten ist, dass wir aufhören müssen, das gestrige Modell zu schützen. Die eigentliche Frage ist nicht, wie Schweizer Vermögensverwalter geringfügig größer werden können.
Stattdessen ist es das, was wir heute bauen würden, wenn wir von vorne anfangen und keinerlei Altlasten hätten.


