380 Prozent in sechs Jahren. Das ist der Anstieg an formellen “Restriktionen”, die von Schweizer Banken gemeldet werden, seit 2019 beim Ombudsmann der Banken. Beat Schmid hat die Zahlen diese Woche auf Tippinpoint veröffentlicht, basierend auf dem neuen Jahresbericht des Ombudsmanns.
Die Figur verdient Aufmerksamkeit, auch über den unmittelbaren Nachrichtenzyklus hinaus.
Die Daten, kurz gesagt
Im Jahr 2025 registrierte der Ombudsmann 168 schriftliche Fälle von bankseitigen Beschränkungen, verglichen mit 35 im Jahr 2019. Die meisten davon betreffen Konten, Zahlungen und Karten. Und wie Tippinpoint richtig bemerkt, ist die tatsächliche Zahl wahrscheinlich höher. Viele Kunden wissen einfach nicht, dass es den Ombudsmann gibt.
Was passiert hier wirklich
Hinter den Zahlen steckt eine stille, aber wichtige Veränderung. Die Beziehung zwischen Kunde und Bank hat sich verändert.
Jahrzehntelang war die Schweizer Bank die Eintrittspforte ins Finanzsystem. Heute ist sie zunehmend eine Gatekeeperin. Strengere Compliance, härtere grenzüberschreitende Regeln und die Integration von Credit Suisse auf UBS haben alle diese Rolle verstärkt. Keine dieser Entwicklungen ist an sich falsch. Jede von ihnen hat einen guten Grund.
Aber zusammengenommen schaffen sie eine neue Realität. Ein Kundenbeziehung ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Dies ist das Ergebnis einer Risikoanalyse, die jederzeit überprüft werden kann.
Drei Beobachtungen aus unabhängiger Sicht
Zuerst einmal ist das Debanking selten auf einen einzigen Faktor zurückzuführen. Es ist normalerweise die Kombination aus Gerichtsstand, Vermögensquelle, geschäftliche Tätigkeit und Dokumentation. Kunden, die diese Kombination unterschätzen, sind am stärksten gefährdet.
Zweitens hat sich die Beweislast verschoben. Kunden müssen heute ihre Situation proaktiver erläutern als noch vor zehn Jahren. Stille wird oft als Risiko interpretiert.
Drittens ist Redundanz wichtig. Eine einzige Bankbeziehung ist für Unternehmer, internationale Familien oder Kunden mit komplexeren Profilen keine stabile Konstellation mehr. Diversifikation ist nicht mehr nur ein Anlageprinzip. Sie ist auch ein strukturelles.
Was das für den Finanzplatz Schweiz bedeutet
Die Schweiz hat sich ihren Ruf durch Stabilität, Diskretion und Vertrauen aufgebaut. Der aktuelle Trend widerspricht diesen Werten zwar nicht, stellt sie aber auf die Probe. Wenn Compliance zur einzigen Sprache zwischen Kunde und Bank wird, geht etwas Wichtiges verloren. Die Debatte darüber, wie Regulierung, Risiko und Beziehung in Einklang gebracht werden können, ist überfällig.
Der Artikel von Tippinpoint ist ein nützlicher Ausgangspunkt für diese Unterhaltung.
Quelle: Beat Schmid, Tippinpoint, 21. Mai 2026 – https://www.tippinpoint.ch/artikel/78796/debanking_nimmt_in_der_schweiz_stark_zu.html


