Bei einem kürzlichen Aufenthalt in Marrakesch fiel mir fast sofort etwas auf: Banken schienen überall zu sein. Filialen, Geldautomaten und sichtbare Finanzinfrastruktur gehörten zum Alltag. Nach ein paar Tagen wurde mir klar, wie anders sich das anfühlte als in der Schweiz.
Bei uns zu Hause ist Banking fast unsichtbar geworden.
Die meisten von uns betreten kaum noch eine Filiale. Stattdessen bezahlen wir digital, überweisen Geld online und unsere Anlagen über das Handy verwalten. Aus Nutzersicht ist dies eine aussergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Tatsächlich sind Finanzdienstleistungen bequemer, zugänglicher und erheblich effizienter geworden.
Doch ich frage mich, ob Unsichtbarkeit einen versteckten Preis hat.
Wenn Bequemlichkeit Kontakt ersetzt
Je unsichtbarer ein Dienst wird, desto leichter vergisst man die Menschen dahinter. Technologie hat viele operative Probleme gelöst. Sie hat aber nicht beseitigt: das Bedürfnis nach Urteilsvermögen, Perspektive und Vertrauen.
Ausserdem bleiben finanzielle Entscheidungen selten für immer einfach. Wenn es komplex wird – sei es durch Unternehmertum, Nachfolge oder wachsendes Familienvermögen –, suchen Menschen selten nach einer weiteren App-Funktion. Sie suchen Klarheit. Sie suchen jemanden, der die Situation versteht.
Für alltägliche Transaktionen funktioniert unsichtbares Banking also bestens. Bei wichtigen Entscheidungen jedoch zählt der Mensch weiterhin.
Die Zukunft des Bankwesens wird mit Sicherheit digital sein. Effizienz und Komfort werden sich weiter verbessern, und das ist wirklich zu begrüssen.
Herausragen werden aber vielleicht jene Institute, die digitale Exzellenz mit echter menschlicher Verbindung vereinen. Mit anderen Worten, das Ziel ist nicht, sich zwischen Technologie und Menschen zu entscheiden. Die Herausforderung besteht darin, beides sichtbar zu halten.


